Wie finde ich gute Psychotherapie in Leipzig?

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Autor: Moritz Riemer

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In diesem Artikel lesen Sie meine Erfahrungen aus den vielen Jahren im Geschäft der psychologischen Hilfe – am Ende auch noch einmal in Kurzform, für alle, denen der Text zu lang ist. Ich bin optimistisch, dass hier die momentane Situation in Leipzig ganz gut zusammengefasst ist, trotzdem ist es natürlich nur meine persönliche Sicht auf die Dinge. Hinweise und Ergänzungen nehme ich deswegen sehr gerne entgegen.

Jetzt zum Thema und das Wichtigste zuerst: Falls Sie diesen Artikel lesen, weil es gerade ganz schlimm ist und Sie gar nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll, dann gibt es in Leipzig ein gut funktionierendes Rettungsnetz für Notfälle: Sie können sich an den „Verbund gemeindenahe Psychiatrie“ wenden, jederzeit in die psychiatrischen Ambulanzen der großen Kliniken gehen (Altscherbitz im Westen, die Uniklinik zentral, das Parkkrankenhaus im Südosten) und wenn Sie zu den Sprechzeiten bei den Psychologischen Psychotherapeut*innen anrufen, werden diese Ihnen meistens eine Akutsprechstunde anbieten können.

Oft ist psychotherapeutische Hilfe aber auch wichtig, ohne dass es dabei um einen Notfall geht – bei Beziehungskrisen oder wenn man vor Sachen unnötig viel Angst hat oder aus einem anderen Grund, der das Leben wirklich weniger schön macht. Und für diesen Fall berichten mir Klienten seit Jahren von der gleichen Situation in Leipzig: Es ist nicht einfach, gute psychologische Hilfe zu finden. Dieser Artikel soll zeigen, wie es trotzdem geht.

Die einfachste und oft beste Variante ist, wenn Sie eine Empfehlung bekommen können. Vielleicht gibt es in Ihrem Bekanntenkreis jemanden, der selbst Psychotherapie gemacht hat und Ihnen aus Erfahrung berichten kann. Das ist wertvoll, weil es in den helfenden Berufen natürlich nicht anders ist als überall sonst: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Personen sind teilweise riesig. Im Laufe der Jahre habe ich von Klienten viele zufriedene Berichte gehört, aber von mancher großen Enttäuschung. Und anders als z.B. bei Fachärzten finden Sie im Internet kaum Bewertungen. Eine Empfehlung kann Ihnen hier manchmal viel Zeit und Mühe sparen.

Und was, wenn Sie niemanden kennen, der sich psychologische Hilfe geholt hat? Dann hilft nur ausprobieren. Das ist bei den unterschiedlichen helfenden Berufsgruppen unterschiedlich schwierig, dazu aber später mehr. Zunächst möchte ich etwas dazu sagen, wie man gut probiert, das ist nämlich immer das Gleiche, egal wo.

Zunächst sollten Sie sich überlegen, welche Art von Therapie sie eigentlich machen wollen. In einer großen Stadt wie Leipzig gibt es da nämlich eine ganze Menge Möglichkeiten: Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie, systemische Therapie, Gestalttherapie, achtamkeitsbasierte Therapieformen, Hypnosetherapie und noch viele mehr. Die ganzen Formen unterscheiden sich in vielen Punkten, von der Herangehensweise an das Problem bis hin zur Zeitdauer. Darüber können Sie sich häufig schon auf der Website der jeweiligen Therapeut*innen informieren oder Sie recherchieren selbstständig im Internet oder Sie wenden sich an jemanden, der sich gut auskennt. Finden Sie die therapeutische Methode, die Sie am meisten überzeugt und dann finden Sie eine Person dazu.

Und hier sind wir beim wohl wichtigsten Punkt der ganzen Therapiesuche, nämlich jemanden zu finden, mit dem sie richtig gut klarkommen. Das Gute ist, hier können Sie oft gut mit dem Bauchgefühl urteilen. Genauso wie Sie wahrscheinlich schnell wissen, ob Sie jemand Ihr Freund sein soll, wissen Sie in der Regel auch, ob sie jemanden als Therapeut*in haben wollen. Wichtige Merkmale wie Verständnis, Sicherheit, Wertfreiheit und solche Sachen merkt man dabei meistens automatisch. Es spricht natürlich auch nichts dagegen, ganz bewusst darauf zu achten.

Zusätzlich macht es Sinn, in der ersten Stunden sehr neugierig zu sein. Fragen Sie alle Sachen, die sie für wichtig halten – gute Therapeut*innen werden Ihnen da niemals böse sein. Zum Beispiel könnten Sie versuchen herauszubekommen, wie der genaue Behandlungsplan aussieht. Also, was sieht die Therapeutin als Ihr Problem an und was genau will sie dagegen tun? Oder Sie fragen, wie viel Erfahrung der Therapeut mit Problemen wie Ihrem hat und wie er Ihr Chancen auf Besserung einschätzt. Das kann besonders bei gemeineren psychischen Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen oder Zwangserkrankungen sehr wichtig sein. Bringen Sie jedes Thema auf den Tisch, das Ihnen wichtig ist. In eine gute Psychotherapie werden Sie ganz bestimmt viel Zeit und Arbeit investieren, da nehmen Sie besser nicht die Katze im Sack.

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, in eine Psychotherapie Geld zu investieren. Das hängt davon, wie Ihre Situation gerade ist. Lassen Sie uns zunächst auf die Möglichkeiten schauen, bei denen die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Am direktesten geht das über die Warteliste bei Psychotherapeut*innen, die einen sogenannten Kassenplatz haben, also unkompliziert direkt mit den Krankenkassen abrechnen können¹. Hier liegt die größte Herausforderung darin, eine Therapie zu beginnen. Klienten berichten mir regelmäßig von Wartezeiten von einem halben Jahr und mehr, viele Therapeut*innen in Leipzig nehmen überhaupt niemanden mehr auf ihre Wartelisten. Nicht, weil sie nicht helfen wollen. Es gibt einfach deutlich zu wenig Kassenplätze für die vielen Menschen, die psychologische Hilfe suchen.

Trotzdem habe ich noch nie von einem Fall gehört, der auf diesem Wege gar keine Hilfe gefunden hat. Wenn Sie genügend Zeit mitbringen, klappt es auch irgendwann. Eine gute Strategie ist, sich auf mehrere Wartelisten gleichzeitig setzen zu lassen. Das ist größerer Aufwand und auch dann brauchen Sie ein bisschen Glück, dass in der kleinen Auswahl ein Mensch dabei ist, mit dem Sie eine wirklich gute Beziehung aufbauen können. Aber zumindest haben Sie dann nicht nur eine einzige Chance und Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, doch schon ein paar Wochen früher dranzukommen, weil kurzfristig ein Platz freigeworden ist.

Etwas schneller geht der ganze Prozess oft bei Psychologischen Psychotherapeut*innen, die keinen Kassenplatz haben und Ihre Leistungen über das Kostenerstattungsverfahren anbieten. Die Wartelisten sind hier in aller Regel kürzer. Dafür klappt die Bezahlungen durch die Krankenkassen selten, manche Kassen boykottieren das ohnehin ziemlich aufwändige Verfahren auch von vorneherein. Deshalb lassen Sie sich unbedingt beraten, bevor Sie in das Kostenerstattungsverfahren einsteigen. Einmal natürlich von der Psychotherapeutin selbst, mit der Sie arbeiten wollen. Andererseits aber auch vom Berater Ihrer Krankenkasse, der Ihnen sagen kann, ob Sie überhaupt realistische Chancen haben und was er von Ihnen von Ihnen für eine Genehmigung haben möchte.

Wenn die Sterne günstig stehen und es klappt, dann ist natürlich auch an diesem Weg der große Vorteil, dass für Sie keine oder zumindest wenig Kosten entstehen. Müssen Sie sowieso nicht jeden Cent umdrehen, kann es auch sinnvoll sein, für Psychotherapie zu bezahlen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es kann deutlich schneller losgehen, es gibt vorher keinen bürokratischen Aufwand zu erledigen und Sie können unkompliziert so oft zwischen den Therapeut*innen wechseln, bis Sie jemanden gefunden haben, der wirklich gut zu Ihnen passt. Die Kosten pro Sitzung liegen dabei bei meistens zwischen 50€ und 110€ pro Sitzung.

Eher in Richtung 110€ kosten oft die Psychologischen Psychotherapeut*innen. Außerdem gibt es bei denen teilweise auch für die Selbstzahler Wartelisten. Dafür können Sie sich bei Ihnen schon durch den Titel sicher sein, dass sie ausführlich ausgebildet sind. Um sich so nennen zu dürfen, muss man Prüfern nachweisen, dass man mindestens ein Psychotherapieverfahren gut anwenden kann. Es gibt natürlich große Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsinstituten, aber alles in allem ist der Titel ein verlässliches Qualitätsmerkmal. Gerade, wenn Sie unter einer der schwereren psychischen Erkrankungen leiden, sollte Sie sich vor allen Dingen hier umschauen.

Andere Bezeichnungen wie „Heilpraktiker für Psychotherapie“, „Systemscher Therapeut“ oder „Psychologischer Berater“ sagen nicht so viel über das Wissen und Können der jeweiligen Person aus. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will diese Gruppe nicht abwerten. Ich gehöre selbst dazu und kenne auch viele Kollegen, die eine sehr gute Ausbildung genossen haben, viel Erfahrung mitbringen und ihren Klienten oft sehr gut helfen können. Bei diesen Berufsbezeichnungen gibt es aber deutlich weniger gesetzliche Anforderungen, seien Sie also vorher und im ersten Gespräch besonders neugierig. Bekommen Sie heraus, wie der- oder diejenige sein Handwerk erlernt hat und wie einleuchtend Ihnen das Therapiemodell vorkommt. Wenn Sie jemanden aus dieser Gruppe finden, bei dem für Sie alle passt, kann das ein echter Glücksfall sein. Denn meistens sind die Kosten dann deutlich geringer und Therapiebeginn auch sofort möglich.

Kurzfassung – Wie finde ich gute Psychotherapie in Leipzig?

1)      Wenn Sie eine positive Empfehlung bekommen, nutzen Sie diese. Höhere Erfolgschancen sind nicht zu erreichen.

Wenn Sie keine Empfehlung bekommen können:

2)      Entscheiden Sie sich für eine Therapierichtung.

3)      Entscheiden Sie sich, ob es für Sie in Frage kommt, für Psychotherapie zu bezahlen.

Die Varianten, die kein Geld kosten:

4)      Psychologische Psychotherapeut*innen mit Kassenplatz. Im günstigen Fall lange, im ungünstigen Fall geschlossene Wartelisten. Lassen Sie sich auf mehrere von diesen setzen, um ihre Chancen zu maximieren.

5)      Psychologische Psychotherapeut*innen mit Kostenerstattungsverfahren. Kürzere Wartelisten, dafür mehr Vorbereitungsaufwand für Sie und ein hohes Risiko, dass der letztlich Therapieantrag abgelehnt wird. Informieren Sie sich vorher bei den Behandelnden und Ihrer Krankenkasse.

Die Varianten, die Geld kosten:

      6)      Selbstzahlungsbasis bei Psychologischen Psychotherapeut*innen. Durchschnittlich deutlich teurer und teilweise trotzdem längere Wartezeiten, dafür garantiert der Titel eine ausführliche Ausbildung.

7)      Selbstzahlungsbasis bei Menschen mit anderen Berufsbezeichnungen. Diese garantieren in der Regel keine bestimmte Ausbildung, seien Sie deshalb am Anfang besonders neugierig. Wenn Sie fähige Behandler*innen aus dieser Gruppe finden, kann das ein echter Glücksfall sein: Die Kosten sind meist deutlich geringer und die Therapie kann oft sofort starten.

¹ Ich erwähne die ärztlichen Psychotherapeut*innen (z.B. die „Fachärzt*innen für Psychiatrie und Psychotherapie“) im Text nicht extra, um ihn nicht noch länger zu machen. Für Sie gelten meistens ähnliche Sachen wie für die Psychologischen Psychotherapeut*innen.

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Über den Autor

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Moritz Riemer arbeitet als psychologischer Coach in Leipzig.

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